Jedes Jahr bleiben in Deutschland Milliarden Euro an staatlichen Leistungen ungenutzt liegen – schlicht, weil viele Menschen nicht wissen, dass sie ihnen zustehen. Der Antrag ist zu kompliziert, die Frist verstrichen oder das Angebot schlicht unbekannt. Dabei geht es nicht um Almosen, sondern um Geld, auf das Bürgerinnen und Bürger einen rechtlichen Anspruch haben. Wir haben die wichtigsten Punkte zu einer Checkliste zusammengefasst – vielleicht ist auch für Sie etwas dabei.
Warum so viel Geld liegen bleibt
Studien von Sozialverbänden gehen seit Jahren davon aus, dass ein erheblicher Teil der Berechtigten Leistungen wie Wohngeld oder den Kinderzuschlag nie beantragt. Die Gründe sind fast immer dieselben: Unwissenheit, Scham oder die Angst vor dem Papierkrieg. Hinzu kommt, dass sich Regeln und Beträge regelmäßig ändern – wer vor drei Jahren keinen Anspruch hatte, könnte heute durchaus einen haben. Es lohnt sich also, die eigene Situation von Zeit zu Zeit neu zu prüfen, besonders nach Ereignissen wie Jobwechsel, Geburt eines Kindes oder Umzug.
Familien und Kinder
Viele Familien kennen das Kindergeld – aber längst nicht alle wissen vom Kinderzuschlag. Er richtet sich an Eltern mit kleinem oder mittlerem Einkommen und kann monatlich mehrere Hundert Euro ausmachen. Wer den Kinderzuschlag erhält, hat zusätzlich oft Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket: Zuschüsse für Schulausflüge, Nachhilfe, Vereinsbeiträge oder das Mittagessen in Kita und Schule. Auch der Elterngeld-Antrag wird nicht selten zu spät gestellt – hier gilt es, Fristen im Blick zu behalten, da rückwirkend nur begrenzt gezahlt wird.
Wohnen und Nebenkosten
Das Wohngeld ist nach den letzten Reformen für deutlich mehr Haushalte zugänglich geworden – auch für Rentnerinnen, Alleinstehende und Berufstätige mit niedrigem Einkommen. Viele nehmen fälschlicherweise an, dass es nur für Arbeitslose gedacht sei. Ein kurzer Blick in den Wohngeldrechner der Länder kann sich lohnen. Wer Heizkosten und Energiepreise stemmen muss, sollte zudem prüfen, ob regionale Härtefallfonds oder einmalige Zuschüsse zur Verfügung stehen, die von Kommunen oder Energieversorgern bereitgestellt werden.
Arbeit, Gesundheit und Alltag
Auch abseits klassischer Sozialleistungen gibt es zahlreiche Töpfe, die häufig übersehen werden. Dazu gehören etwa Zuschüsse zur betrieblichen Weiterbildung, der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder Förderungen für energetische Sanierungen am eigenen Haus. Wer eine gesundheitliche Einschränkung hat, sollte prüfen, ob ein Schwerbehindertenausweis in Frage kommt – er bringt steuerliche Vorteile und Vergünstigungen mit sich. Und selbst bei der Steuererklärung verschenken viele Geld, indem sie Werbungskosten, Handwerkerrechnungen oder Pflegekosten nicht angeben. Eine Rückerstattung ist hier keine Seltenheit.
So gehen Sie am besten vor
Der wichtigste Rat lautet: nicht abschrecken lassen. Ein guter erster Schritt ist der Gang zu einer Verbraucherzentrale oder einem Sozialverband – dort gibt es meist kostenlose oder günstige Beratung. Online-Rechner der Behörden geben in wenigen Minuten einen ersten Anhaltspunkt, ob ein Anspruch bestehen könnte. Halten Sie Unterlagen wie Einkommensnachweise, Mietvertrag und Kontoauszüge bereit, das beschleunigt jeden Antrag. Und achten Sie unbedingt auf Fristen: Manche Leistungen werden nur ab dem Monat der Antragstellung gezahlt, andere lassen sich rückwirkend beantragen.
Die hier genannten Leistungen sind Beispiele – welche davon tatsächlich in Frage kommen, hängt immer von der persönlichen und finanziellen Situation ab. Verbindliche Auskünfte geben nur die zuständigen Stellen. Doch der Aufwand, einmal die eigene Lage zu prüfen, ist gering im Vergleich zu dem, was am Ende auf dem Konto landen kann. Vielleicht steht auch Ihnen mehr zu, als Sie denken.