Regelmäßiges Laufen gilt als Wunderwaffe gegen Übergewicht, Bluthochdruck und Stress. Doch es gibt da ein Phänomen, das Sportmediziner seit Jahren beschäftigt: Gerade bei intensivem Ausdauertraining kann ausgerechnet das Herz aus dem Rhythmus geraten. Das klingt paradox, und genau deshalb hat sich die Charité in Berlin dieser Frage angenommen.
Forscher des Universitätsklinikums untersuchen derzeit, wie intensiver Ausdauersport die Herzgesundheit beeinflusst – mit einem besonderen Blick auf Frauen. Jahrzehntelang domininierten Männer die einschlägigen Studien zur sportbedingten Herzbelastung. Die Erkenntnisse über weibliche Athleten bleiben oft fragmentarisch. Das soll sich ändern. Die Berliner Wissenschaftler wollen verstehen, ob und wann der Trainingseffekt umschlägt, ob also der Punkt kommt, an dem Sport dem Herz mehr schadet als nutzt.
Herzrhythmusstörungen treten bei Ausdauersportlern tatsächlich häufiger auf als bei Nichtsportlern – ein Befund, der lange rätselhaft war. Das Herz schlägt einfach aus der Reihe, manchmal nur kurz, manchmal länger. Viele betroffene Läufer berichten von plötzlichen Herzstolperern während oder nach dem Training, von einem Gefühl, als würde das Herz einfach eine Taktschlag auslassen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen sind diese Arrhythmien harmlos. Dennoch gilt es, die Mechanismen zu verstehen und jene Risikofaktoren zu identifizieren, die tatsächlich problematisch werden könnten.
Die Charité-Studie konzentriert sich auf Marathon- und Ultramarathonläufer. Gerade diese Gruppe treibt ihren Körper regelmäßig an die Grenzen. Bei diesen extremen Belastungen verändern sich die elektrischen und mechanischen Eigenschaften des Herzens messbar. Entzündungsmarker im Blut steigen an, die Herzfrequenzvariabilität sinkt. Was langfristig aus solchen Veränderungen folgt, bleibt oft unklar.
Für die Frauen im Fokus dieser Forschung könnte die Studie besonders aufschlussreich sein. Hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus beeinflussen die Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität. Ob diese biologischen Faktoren auch auf die Entstehung von Arrhythmien wirken, wurde bislang kaum systematisch untersucht. Die Berliner Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse künftig individualisierte Trainingsempfehlungen ermöglichen – je nachdem, wie das Herz des einzelnen Menschen auf intensive Belastung reagiert.