Risse durchziehen die Wände, die Substanz leidet, die Zeit macht auch vor den großen Klassikern nicht halt. Das Alte Museum auf der Berliner Museumsinsel steht vor einer umfassenden Sanierung, die sich bis in die 2030er-Jahre erstrecken wird. Während das berühmte Pergamonmuseum bereits 2027 teilweise seine Türen wieder öffnen kann, muss sich das Alte Museum noch etwas gedulden.
Der Verfall ist real und sichtbar. Wer die klassizistische Fassade des Museums von Karl Friedrich Schinkel genauer betrachtet, erkennt schnell: Hier ist nicht einfach ein bisschen Farbe abgeblättert. Die Bauschäden gehen tiefer. Architekten und Restauratoren haben längst Alarmstufe Rot ausgerufen. Die großen Klassiker der Antike, die hier in den Sälen zu Hause sind, verdienen einen würdigen Rahmen – und den bietet ihnen das derzeitige Gebäude nicht mehr.
Das Pergamonmuseum, Berlins Touristenmagnet schlechthin, wird zuerst wieder in Betrieb gehen. Schon ab 2027 sollen Besucher dort erste Teile der Sammlung bewundern dürfen. Die Sanierung der Museumsinsel ist ein Marathon, keine Sprintdistanz. Dieses Großprojekt betrifft gleich mehrere Gebäude und zieht sich über Jahre hin. Wer also plant, alle fünf Museen auf der Insel an einem Tag zu besuchen, muss sich noch bis tief in die nächste Dekade gedulden.
Für Berlins Kulturlandschaft bedeutet dies eine Phase der Umbruch und Neuausrichtung. Die Sanierungen sollen nicht nur die Bausubstanz retten, sondern auch die Museen selbst modernisieren. Mehr Platz für neue Perspektiven, bessere Klimatechnik, zeitgemäße Ausstellungskonzepte – das Alte Museum soll als Haus der antiken Kulturen wieder erstrahlen. Die Kosten für solche Großvorhaben explodieren regelmäßig, doch bei einem Baudenkmal dieser Bedeutung lässt sich Sparen nicht rechtfertigen.
Bis dahin müssen sich Freunde der griechischen und römischen Antike gedulden oder auf Leihgaben in anderen Museen ausweichen. Eine unbefriedigende Situation für eine Stadt, die sich ihrer kulturellen Schätze rühmt. Aber manchmal muss man eben zuerst auseinandernehmen, um wieder aufzubauen.