In wenigen Wochen wird der Mond die Sonne über Spanien verdecken – und die Hoteliers des Landes reiben sich die Hände. Ein einfaches Zimmer in der Provinz, das normalerweise 100 Euro kostet, wird plötzlich für 960 Euro angeboten. Solche Preissprünge sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer beispiellosen Nachfrage nach Übernachtungen in der Totalitätszone.
Abgesehen von Island und Grönland bietet Spanien das beste Beobachtungserlebnis für dieses astronomische Ereignis. Das Land liegt geografisch perfekt im Weg des Mondschattens. Seit Monaten bereitet sich die spanische Tourismuswirtschaft auf den Ansturm vor – und manche Betriebe scheinen es ernst zu meinen mit ihrer Preispolitik. Kleine Orte in Kastilien, Aragonien und Navarra, normalerweise eher verschlafene Flecken auf der Landkarte, werden zu begehrten Zielen für Hunderttausende Schaulustige aus aller Welt.
Die spanischen Behörden geben sich beschwichtigend. Verkehrsminister und Tourismusverbände versichern, dass die Infrastruktur dem Ansturm gewachsen ist. Parkplätze wurden organisiert, zusätzliche Busse bestellt, Informationszentren eingerichtet. Doch wirklich beruhigt wirkt niemand. Es sind nicht die Zahlen, die beunruhigen – es ist die Vorstellung davon, was passiert, wenn Millionen Menschen gleichzeitig dasselbe wollen: einen unbewölkten Himmel und einen freien Platz zum Stehen.
Was Hotelmanager besonders freut: Viele Besucher buchen nicht für eine, sondern für mehrere Nächte. Sie wollen auf Nummer sicher gehen. Sollte es am Finsternisstag regnen, bleibt immer noch die Hoffnung auf klares Wetter am nächsten Tag. Das führt zu bizarren Konstellationen – ein Familienzimmer im ländlichen Raum, das sonst 250 Euro für drei Nächte kostet, wird jetzt für 2500 Euro angeboten.
Der spanische Meteorologische Dienst warnt vor einer Sache: Die Wettervorhersagen sind in dieser Jahreszeit notorisch unzuverlässig. Wolken können schnell auftauchen, schnell wieder verschwinden. Manche Beobachter fahren deshalb mit mehreren Alternativen los – in verschiedene Regionen, je nachdem, wie sich das Wetter entwickelt. Das bedeutet mehr Chaos auf den Straßen, mehr Staus, mehr Frust.
Die Frage lautet letztlich: Zahlen Menschen wirklich fast tausend Euro für eine Nacht in einem mittelmäßigen Hotel, nur um eine Minute lang die Sonne verschwinden zu sehen? Die bisherigen Buchungszahlen deuten darauf hin, dass die Antwort ja lautet.