Berlin glüht. Während die Temperaturen in diesem Sommer wiederholt die 30-Grad-Marke durchbrechen und meteorologische Rekorde purzeln, sitzen Tausende Studierende in Hörsälen, deren Klimaanlagen längst aufgegeben haben. Die Hitzewelle trifft die Universitätsstadt besonders hart – nicht nur wegen der Temperaturen selbst, sondern weil die Infrastruktur völlig überfordert ist.
Wer glaubt, dass sich die Studierenden einfach in eines der vielen Berliner Freibäder flüchten können, kennt die Realität nicht. Die Becken sind überlaufen, die Wartelisten endlos. In der Humboldt-Universität und der Freien Universität herrscht zwischen 10 und 15 Uhr eine Art stille Rebellion: Studierende sitzen in Treppenhäusern, lehnen sich gegen kühle Wände und versuchen zu konzentrieren, während der Schweiß tropft. Das funktioniert natürlich nicht. Prüfungen werden verschoben, Seminare verlegt, manche Veranstaltungen finden gar nicht erst statt.
Die Bibliotheken sind während dieser extremen Hitzeperiode tatsächlich die einzigen Zufluchtsorte – aber auch dort ist kein Platz. Man riecht es sofort, wenn man die Türen aufmacht: ein Gemisch aus Deodorant, feuchten Kleidern und der Verzweiflung von Menschen, die Zugang zu einer funktionierenden Klimaanlage suchen. Manche Studierende verbringen ihre Tage komplett in diesen Räumen, nicht aus Liebe zum Lernen, sondern aus reiner Überlebensnot.
Das Paradoxe: Gerade in Zeiten, in denen klimatische Extreme zur neuen Normalität werden, haben deutsche Universitäten kaum Vorkehrungen getroffen. Die Gebäude stammen oft aus den 1970ern, wurden für solche Szenarien nie konzipiert. Lüftungssysteme funktionieren nach Prinzipien, die unter moderaten Bedingungen entstanden. Niemand dachte damals, dass Berlin jemals so aussehen würde wie jetzt.
Doch die Studierenden passen sich an, wie sie es immer tun. Sie tauschen Tipps in Telegram-Gruppen, kennen alle Parks mit Brunnen, tragen ständig Wasserflaschen bei sich. Einige versuchen, das Sommersemester zu verkürzen. Andere geben es auf und arbeiten nebenbei irgendwo, wo es wenigstens einen Ventilator gibt. Die zentrale Frage, die sich immer mehr stellt, lautet aber: Wie lange noch wird man so arbeiten können?