Nach Jahren der Verschlimmerung zeigt sich im brasilianischen Amazonasgebiet endlich eine Trendwende. Im vergangenen Jahr verschwanden 2.874 Quadratkilometer Wald — so wenig wie nicht mehr seit 2016. Die Zahlen stammen aus Messungen des Nationalen Instituts für Weltraumforschung und deuten darauf hin, dass die Anstrengungen der brasilianischen Regierung langsam Früchte tragen.
Regierungschef Luiz Inácio Lula da Silva hatte nach seinem Amtsantritt aggressiv gegen die illegalen Holzfäller und Rinderzüchter vorgehen lassen, die jahrelang fast ungehindert den Regenwald abgeholzt hatten. Dass diese Politik jetzt messbare Ergebnisse liefert, stärkt dem Präsidenten den Rücken. Allerdings: Selbst diese vergleichsweise guten Zahlen entsprechen noch immer einer täglichen Waldzerstörung von etwa acht Quadratkilometern — eine Fläche, größer als mehrere hundert Fußballplätze.
Die bisherige Bilanz ist freilich ernüchternd. Unter der rechtsgerichteten Vorgängerregierung war die Abholzung regelrecht explodiert. 2022 erreichte das Desaster seinen Höhepunkt mit über 13.000 Quadratkilometern verlorener Waldfläche pro Jahr. Lula versprach sofort nach seiner Rückkehr an die Macht, die illegalen Operationen zu beenden. Mehr Geld für Umweltbehörden, verstärkte Kontrollen in den kritischen Regionen, Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften — all das sollte die Spirale umkehren.
Was oft übersehen wird: Der Kampf gegen die Regenwald-Vernichtung ist vor allem auch ein Kampf gegen organisierte Kriminalität. Die Holzmafia arbeitet wie ein Kartell, mit Bestechung, Einschüchterung und Gewalt gegen Umweltschützer und Journalisten. Als ich Anfang dieses Jahres mit Rangern vor Ort sprach, beschrieben sie die Angst, die in manchen Ortschaften herrscht — eine greifbare, alltägliche Angst vor Repressalien.
Umweltschützer reagieren auf die neuesten Zahlen verhalten optimistisch. Viel müsse noch getan werden, mahnen sie. Das ist nicht übertrieben: Sollte Brasilien seine internationale Zusage einhalten und die Abholzung bis 2030 komplett stoppen, müsste sich das derzeitige Tempo noch um ein Vielfaches beschleunigen. Ob die politische Willenskraft dafür über Jahre hinweg reicht, ist die entscheidende Frage.