Die Kreuzfahrtindustrie steht unter Druck. Zwar existieren längst Technologien, um auf Schweröl zu verzichten – doch jedes zweite Schiff verbrennt das dreckige Zeug immer noch. Der NABU hat nun eine aktuelle Rangliste vorgelegt, die zeigt, wie ungleich verteilt der Umweltehrgeiz unter den großen Reedereien ist.
Das Problem ist simpel: Schweröl ist billig, und es funktioniert. An Bord von Kreuzfahrtschiffen, die täglich tausende Passagiere durch die Weltmeere chauffieren, entstehen Emissionen in einer Größenordnung, die man sich kaum vorstellen kann. Ein einziges großes Schiff kann während einer Woche an Schweröl genauso viel Feinstaub ausspucken wie eine Million Autos – diese Vergleiche mögen übertrieben wirken, aber sie treffen einen wunden Punkt der Branche.
Längst gibt es Alternativen: Flüssiggasantriebe, Batterie-Hybride, sogar erste Experimente mit grünem Methanol. Doch Investitionen kosten Geld, und Reedereien zögern. Die größten Unternehmen wie Carnival, Royal Caribbean und MSL bauen zwar einzelne neuere Schiffe mit besserer Antriebstechnik, fahren aber gleichzeitig noch Dutzende alter Pötte. Es ist ein Spiel auf Zeit – die Flotte wird langsam erneuert, aber eben sehr, sehr langsam.
Der NABU kritisiert diese Halbherzigkeit zu Recht. Die Umweltorganisation fordert, dass die Reedereien verbindliche Zusagen machen und konkrete Investitionspläne offenlegen. Ohne Druck von außen passiert da wenig. Regulierung hilft: In der Schweiz beispielsweise müssen Schiffe ab 2026 nachweislich weniger CO₂ ausstoßen. Solche Regelungen funktionieren, weil sie Kosten verursachen und damit Anreize schaffen.
Was die Rankings auch zeigen: Es geht nicht um Schwarz und Weiß. Einige Reedereien bewegen sich tatsächlich in die richtige Richtung, investieren in neue Flotten, experimentieren mit alternativen Brennstoffen. Andere sitzen das Problem einfach aus und hoffen, dass die nächste politische Welle vorbeizieht.
Ob Kreuzfahrten wirklich klimafreundlich werden können – das ist eine offene Frage. Selbst mit Flüssiggas und Batterien bleibt Massentourismus Massentourismus. Aber zumindest könnten die Schiffe aufhören, die Meere zu verpesten.