Die Trockenheit macht Deutschlands Flüssen zu schaffen. Wer in diesen Tagen einen Blick auf den Rhein oder die Elbe wirft, sieht das Problem mit eigenen Augen: Flachwasser, überall Kies und Sandbänke, wo sonst tiefe Rinnen sein sollten. Für die Binnenschifffahrt ist das ein Desaster. Weniger Wasser bedeutet weniger Transportkapazität, und plötzlich stellt sich die Frage, wie Waren überhaupt noch ans Ziel kommen.
Jetzt schlägt die Industrie vor, das traditionelle Sonntagsfahrverbot für Lastwagen zu lockern – zumindest vorübergehend. Wer sonst per Schiff transportiert, soll eben auf die Straße ausweichen. Logisch? Vielleicht. Aber der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland findet das alles andere als genial und lässt kein gutes Haar an dieser Idee.
Der BUND argumentiert, dass ein dauerhafter Schiffsverkehr grundsätzlich weniger umweltschädlich ist als der Straßentransport. Das ist tatsächlich schwer zu widersprechen: Während ein Lastwagen pro Tonne Fracht deutlich mehr CO₂ ausstößt, braucht ein Binnenschiff weniger Energie für größere Mengen. Und dann ist da noch der Lärm – wer in einer Stadt neben einer vielbefahrenen Straße lebt, kennt das Problem nur zu gut. Ein Lastwagen um vier Uhr morgens ist für den Schlaf ungefährlicher als gar nicht, aber sonntags sollen solche Störungen gerade nicht vorkommen.
Die Umweltschützer warnen zudem vor einer Scheibe-Brot-Mentalität: Wird die Ausnahmeregelung einmal lockerer gehandhabt, könnte sie schnell zur Normalität werden. Das Sonntagsfahrverbot existiert nicht aus Jux und Dollerei – es sollte Wohngebiete schützen und Arbeitern einen freien Tag garantieren. Beide Ziele geraten unter Druck, sobald Laster zum Regel-Wochenendverkehr werden.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eine temporäre Lockerung wirklich das Worst-Case-Szenario für die Umwelt ist. Die Schiffe fahren nun mal nicht, Waren müssen transportiert werden. Wäre eine kontrollierte Ausnahmeregelung tatsächlich schädlicher als das jetzige Chaos aus verzögerten Lieferungen und Umleitungen über noch längere Routen? Der BUND sieht hier nur schwarz auf weiß: Nein, unter keinen Umständen. Andere Stakeholder sehen das erheblich pragmatischer.