Der Konkurrenzkampf um künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Wettkampf der Programmierer und Chips-Ingenieure. Sondern auch ein Kampf um Strom. Viel Strom. Amazon hat sich deshalb ein ungewöhnliches Geschäft gesichert: Das Unternehmen wird Energie von Amerikas größtem Gaskraftwerk beziehen – genug, um drei seiner neuen Rechenzentren zu betreiben.
Die Megakraftwerke sind energiehungrig wie kaum etwas anderes. Rechenzentren brauchen ständig Strom zum Betrieb, dazu kommt ein extremer Kühlbedarf. Wer Künstliche Intelligenz trainieren will – und das wollen derzeit alle großen Tech-Konzerne – braucht Rechenzentren mit der Performance von Atommeilern. Amazon, Google, Microsoft, Meta: Sie alle bauen wie wild. Und alle suchen verzweifelt nach Energiequellen, die ihre Ambitionen nicht bremsen.
Das amerikanische Gaskraftwerk, mit dem Amazon sich jetzt einigt, ist gigantisch. Es produziert genug Strom für hunderttausende Haushalte. Mit diesem Deal sichert sich Amazon Kapazitäten, die bislang für andere Abnehmer reserviert waren. Das ist nicht einfach eine Geschäftstransaktion zwischen zwei Unternehmen – das ist eine Machtdemonstration. Der Konzern zeigt damit, dass er bereit ist, traditionelle Energieinfrastruktur zu kaufen, um seine KI-Pläne voranzutreiben.
Doch hier entsteht ein echtes Dilemma. Die Stromnetze in vielen Regionen der USA sind bereits angespannt. Wenn Amazon, Google und Microsoft alle gleichzeitig massive Rechenzentren bauen, müssen die Energieversorgung angepasst oder erweitert werden. Und das geschieht oft chaotisch, ohne dass lokale Gemeinden viel zu sagen haben. Gaskraftwerke erzeugen CO₂-Emissionen – das ist ein großes Problem für den Klimaschutz. Wer sich für KI-Fortschritt einsetzt, argumentiert damit, dass diese Technologie wichtiger ist als die Emissionen. Wer umgekehrt die Klimakrise ernst nimmt, sieht in solchen Deals eine Katastrophe.
Amazon bekommt damit auch eine ungewöhnliche Rolle: Der Online-Einzelhandelskonzern ist jetzt auch ein Energieabnehmer auf einer Ebene mit industriellen Schwergewichten. Das verändert die Machtverhältnisse in der amerikanischen Stromwirtschaft. Und es wirft unbequeme Fragen auf: Wem gehört die Zukunft – denjenigen, die die beste Technologie bauen können, oder denjenigen, die die dafür nötige Energie liefern?