Der Rhein führt immer weniger Wasser. Das bekommen Spediteure und Logistikbetriebe täglich zu spüren, denn die Wassertransporte – normalerweise eine günstige Alternative zu Lastwagen – funktionieren einfach nicht mehr. Jetzt greifen Rheinland-Pfalz und das Saarland zu einer ungewöhnlichen Lösung: Sie lockern das Sonntagsfahrverbot für Lkw auf.
Wer regelmäßig auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, kennt das Bild: Am Sonntag deutlich weniger Lastwagen, deutlich weniger Staus durch Gütertransporte. Das Sonntagsfahrverbot für Lkw existiert seit Jahrzehnten und ist fest in der Straßenverkehrsordnung verankert. Doch die Niedrigwassersituation am Rhein stellt die Logistik vor massive Probleme. Binnenschiffer können ihre üblichen Transportmengen nicht bewältigen. Der Ausfall trifft Industrie und Handel hart.
Rheinland-Pfalz und das Saarland haben deshalb reagiert und beantragen Ausnahmegenehmigungen – mit Erfolg. Künftig dürfen Lastwagen auch sonntags fahren, wenn sie Güter transportieren, die normalerweise auf dem Wasserweg gingen. Das klingt pragmatisch, und tatsächlich ist es das auch. Wer tagtäglich Chemikalien, Kohle oder Baumaterialien bewegen muss, kann sich keine wochenlangen Verzögerungen leisten. Die Rohstoffe müssen ankommen, die Produktion muss laufen.
Andere Bundesländer beobachten diese Entwicklung genau. Baden-Württemberg etwa könnte folgen, auch dort spielen Binnenschiffe eine Rolle. Doch nicht alle jubeln über die Pläne. Die Gewerkschaft Verdi lehnt die Lockerung deutlich ab. Die Sorge: Lkw-Fahrer werden ausgebeutet, wenn plötzlich auch sonntags gefahren werden muss. Ruhezeiten? Überflüssig, wenn die wirtschaftliche Notwendigkeit ruft. Für Lkw-Fahrer bedeutet eine Lockerung des Sonntagsfahrverbots potenziell mehr Schichten, weniger freie Zeit.
Ein Dilemma ohne echte Gewinner. Auf der einen Seite: eine Wirtschaft, die ins Stocken gerät. Auf der anderen: Arbeitnehmer, deren ohnehin fordernde Arbeit noch belastender werden könnte. Wie lange die Ausnahmeregelungen gelten, hängt davon ab, wann der Rhein wieder Normalwasserstände erreicht – und niemand kann das wirklich vorhersagen.