Der Finanzmarkt bekommt Zuwachs von einer besonderen Sorte. Erstmals können Privatanleger jetzt in einen ETF investieren, der den gesamten Weltaktienmarkt mit doppeltem Hebel abbildet. Das klingt verlockend – wer mit zwei Euro handelt, wo andere eine Mark einsetzen, könnte bei Gewinnen doppelt kassieren. Doch wie bei vielem an der Börse gilt auch hier: Große Chancen kommen mit großen Risiken.
Drei weitere gehebelte ETFs haben bereits Fuß gefasst auf dem deutschen Markt. Zusammen mit dem Newcomer haben Experten diese vier Produkte unter die Lupe genommen. Die Bilanz fällt differenziert aus. Wer über einen Zeitraum von 16 Jahren in solche Instrumente investiert hat – theoretisch, versteht sich – hätte aus einer ursprünglichen Anlage von 1000 Euro stolze 50.000 Euro machen können. Das entspricht einem Plus von etwa 5000 Prozent. Klingt fantastisch? Das Problem liegt in den Details.
Gehebelte ETFs funktionieren anders als normale Indexfonds. Sie nutzen Derivate und andere Finanzinstrumente, um ihre Renditen zu vervielfachen. An guten Tagen schön. An schlechten Tagen? Dann fällt der Kurs doppelt so schnell. Ein Marktcrash von 20 Prozent würde einen solchen ETF um 40 Prozent in den Keller reißen. Wer dann panisch verkauft, hat verloren. Wer durchhält, braucht starke psychologische Kräfte und – ehrlich gesagt – einen gut gefüllten Notfallfonds.
Das Timing spielt eine entscheidende Rolle, die oft unterschätzt wird. Wer den falschen Moment erwischt, wenn man beispielsweise kurz vor einem Crash mit vollem Portfolio einsteigt, kann Jahre brauchen, um wieder ins Plus zu kommen. Die beste Rendite bringt bekanntlich nichts, wenn der Anleger seine Position vorher auflöst, weil der Alltag einen zwingt, Geld aus dem Depot zu nehmen.
Für wen könnten diese vier Produkte trotzdem interessant sein? Anleger, die sehr langfristig denken – zehn Jahre oder länger – und nicht jeden Monat auf ihr Geld angewiesen sind, könnten hier tatsächlich von den gehebelte Chancen profitieren. Sie brauchen aber auch einen klaren Kopf und sollten nie die ganze Kriegskasse in solche Instrumente packen. Ein Teil des Vermögens, nicht mehr – das ist die ungeschriebene goldene Regel.
Die neuen und etablierten ETFs mit doppeltem Hebel richten sich an eine spezielle Anlegergruppe. Alle anderen sollten lieber die Finger davon lassen und weiterhin auf klassische, unhebelte Indexfonds setzen. Langweilig? Möglich. Sicher? Deutlich sicherer.