Das Weinregal im Supermarkt kann überwältigend wirken. Hunderte Flaschen, unbekannte Namen, kryptische Bezeichnungen – wer keine Sommelier-Ausbildung hat, steht schnell ratlos vor der Auswahl. Dabei muss man gar kein Experte sein, um einen guten Wein zu finden.
Zunächst sollte man sich selbst die einfache Frage stellen: Was mag ich eigentlich? Rot oder Weiß? Trocken oder eher fruchtig? Manche Menschen können geschmacklich überhaupt nicht mit schweren Tanninen anfangen, die in vielen Rotweinen vorhanden sind. Andere finden leichte Weißweine langweilig. Es lohnt sich, ehrlich zu sich selbst zu sein – denn wer einen Bordeaux hasst, wird auch keinen Spaß an einem teuren Bordeaux haben.
Dann kommt die Herkunft ins Spiel. Ein französischer Wein aus der Bourgogne kostet schnell das Doppelte eines ähnlich guten italienischen oder spanischen Weins, ohne zwangsläufig besser zu schmecken. Gerade Regionen wie die Rioja in Spanien oder die Toskana in Italien bieten hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Was viele nicht wissen: Deutsche Riesling-Weine gehören zu den besten der Welt – man findet sie im Supermarkt oft deutlich günstiger als vergleichbare französische Konkurrenz.
Das Etikett verrät vieles, wenn man weiß, worauf man schauen muss. Das Abfüllungsjahr ist kein Zufallsprodukt – jeder Jahrgang schmeckt anders, je nach Wetterbedingungen während der Traubenernte. Vorsicht vor Weinen, die zu billig wirken: Eine Flasche für 2,99 Euro ist oft bloß Massenware aus Konzernkellereien, geschönt mit allerlei Zusatzstoffen. Das merkt man beim ersten Schluck an der chemischen Note und dem frühen Kopfschmerz am nächsten Morgen.
Ein praktischer Trick: Beim ersten Einkauf einfach mehrere unterschiedliche Flaschen nehmen – aus verschiedenen Ländern, verschiedenen Preisklassen. Einen Wein pro Woche probieren, aufschreiben, was einem gefallen hat oder nicht. Nach ein paar Wochen zeigt sich ein Muster, und plötzlich kann man gezielter einkaufen. Der Verkäufer im Supermarkt-Weinfachbereich kann ebenfalls helfen, wenn man sich traut zu fragen – die meisten freuen sich über echtes Interesse und geben ehrliche Empfehlungen.
Die größte Erkenntnis aber kommt oft erst später: Der beste Wein ist nicht der teuerste, sondern der, der einem selbst schmeckt. Und den findet man am zuverlässigsten durch Ausprobieren.