Die Sanierungsarbeiten sind vorbei, doch die Probleme bleiben. Auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin herrscht nach der Wiedereröffnung ein Desaster: Drei von vier Zügen kommen mit Verspätung an. Das ist eine erschreckend schlechte Bilanz für eine der wichtigsten Verbindungen Deutschlands, die fast ein Jahr lang grunderneuert wurde.
Was hätte mit der Modernisierung anders werden sollen? Die Deutsche Bahn kündigte an, die marode Infrastruktur instand zu setzen und damit die Zuverlässigkeit zu verbessern. Stattdessen zeigt sich jetzt: Die Lage ist sogar noch schlimmer als vor den Bauarbeiten. Pendler und Geschäftsreisende, die auf diese Strecke angewiesen sind, berichten von Frust und Verzweiflung. Manche sind umgestiegen, nehmen lieber das Auto oder den Flixbus in Kauf.
Die Bahn selbst führt die Verspätungen auf Übergangsschwierigkeiten zurück. Man müsse sich erst an die neue Infrastruktur gewöhnen, heißt es aus dem Unternehmen. Doch diese Erklärung wirkt angesichts der Zahlen fast schon zynisch. Fahrgäste zahlen Vollpreise für Tickets, bekommen dafür aber einen Service, der unter Standards liegt. Rückerstattungen sind nicht vorgesehen, solange die Verzögerung unter einer Stunde liegt.
Ein Sprecher der Deutschen Bahn kündigte am Wochenende Verbesserungen für die kommenden Wochen an. Man arbeite an einer Optimierung der Fahrpläne und wolle die Pünktlichkeit schnell erhöhen. Ob das reicht, um das Vertrauen von Millionen Pendlern zurückzugewinnen, bleibt fraglich. Die Strecke Hamburg–Berlin ist nicht irgendeine Verbindung – sie ist eine der meistbefahrenen in Deutschland.
Für die Deutsche Bahn steht viel auf dem Spiel. Gerade als Unternehmen, das ohnehin wegen Zuverlässigkeitsproblemen in der Kritik steht, kann es sich solche Ausfälle nicht leisten. Der Druck auf das Management wächst. Kritiker fordern bereits eine unabhängige Überprüfung der Arbeiten, um zu klären, wo genau es schiefgelaufen ist. Bahnreisende jedenfalls warten ungeduldig – und zahlreich nicht am Bahnsteig, sondern an der Bushaltestelle daneben.