Die großangelegte Modernisierung der Strecke Hamburg–Berlin ist seit Juni Geschichte. Millionen Euro flossen in neue Gleise, Oberleitungen und Signaltechnik. Und doch: Wer diese Tage mit dem ICE zwischen den beiden Metropolen reist, muss sich auf Verspätungen einstellen. Das ist nicht nur ärgerlich für Pendler und Geschäftsreisende – es ist auch peinlich für die Deutsche Bahn.
Nach Angaben des Unternehmens sind aktuell mehr als die Hälfte der Fernzüge unpünktlich. Offiziell gilt eine Zugfahrt als verspätet, wenn sie mit mindestens sechs Minuten Verzug ankommt. Manche Züge verlieren deutlich mehr Zeit. Die Bahn führt das auf sogenannte Restmängel zurück, die bei der Sanierung noch nicht vollständig beseitigt wurden. Techniker arbeiten derzeit noch an verschiedenen Stellen der 290 Kilometer langen Verbindung, um diese letzten Probleme zu beheben.
Besonders ärgerlich ist die Situation, weil diese Route zu den meistgenutzten in Deutschland gehört. Täglich pendeln Tausende zwischen Hamburg und Berlin, arbeiten in der einen Stadt und schlafen in der anderen. Der Pufferverkehr liegt bei einem Minimum – wer zu spät ankommt, verpasst seinen Anschluss, sitzt im Stau auf dem Weg zum Kundentermin oder braucht sich gar nicht erst bemühen, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.
Der Bahn-Konzern verspricht Besserung und nennt konkrete Zeitangaben: Bis Jahresende sollen die größten Probleme gelöst sein. Techniker haben demnach die häufigsten Fehlerquellen lokalisiert und arbeiten nach Hochtouren daran. Die genaue Natur dieser Mängel wird von der Bahn allerdings nur vage beschrieben – es gehe um kleinere Schwachstellen bei der Elektrotechnik und dem Gleissystem, hieß es in einer Erklärung.
Branchenbeobachter warnen jedoch davor, zu optimistisch zu sein. Ähnliche Sanierungsprojekte der Vergangenheit zeigten regelmäßig, dass Restmängel hartnäckiger sind als erwartet. Besonders im Winterhalbjahr, wenn Schnee und Eis hinzukommen, können sich solche Probleme verschärfen. Ob die Deutsche Bahn tatsächlich ihre Frist einhält, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Geduld von Millionen Fahrgästen ist jedenfalls aufgebraucht.