Das Klimaphänomen El Niño ist da. Wieder. Und wie jedes Mal, wenn die warmen Wassermassen im Pazifik anschwellen, breitet sich eine diffuse Besorgnis aus – bei Bauern, bei Politikern, bei all jenen, die von stabilen Ernten abhängen. Doch die Realität ist komplexer als die düsteren Prognosen suggerieren.
Ja, El Niño kann verheerend wirken. Die Temperaturverschiebungen im Pazifik beeinflussen Niederschlagsmuster weltweit, können Dürren auslösen oder ungewöhnliche Regenfälle bringen. Für Regionen wie Südafrika oder Teile Südamerikas bedeutete das in der Vergangenheit katastrophale Ernteausfälle. Millionen Menschen litten Hunger. Das ist kein Schreckgespenst, sondern historische Realität. Doch während die Medien gerne vor dem nächsten großen Klimadesaster warnen, zeigt ein genauerer Blick ein differenzierteres Bild.
Andere Regionen profitieren von El Niño tatsächlich. In Argentinien etwa können die Bedingungen für Getreideanbau sogar günstig ausfallen. In Australien bringt das Phänomen manchmal dringend benötigte Regenfälle in sonst trockene Gegenden. Die indische Monsunzeit wird durch El Niño nicht immer negativ beeinflusst – es kommt auf die Intensität des Ereignisses an. Das Problem: Viele Bauern verfügen nicht über zuverlässige Vorhersagen für ihre spezifische Region, und die Anpassungsmöglichkeiten sind oft begrenzt.
Seit Jahrzehnten versuchen Klimaforscher, El Niño vorherzusagen. Die Genauigkeit ist besser geworden, doch bleibt sie lückenhaft. Ein starkes El Niño-Jahr kann die globalen Temperaturen um 0,2 bis 0,3 Grad Celsius erhöhen – das ist nicht trivial für die Welternährung. Gleichzeitig aber haben sich die landwirtschaftlichen Systeme in vielen Ländern an solche Schwankungen angepasst, zumindest teilweise. Bessere Bewässerungstechnologie, Sortenvielfalt, Frühwarnsysteme – sie helfen, schlimmere Folgen zu vermeiden.
Was also sollten Bauern und Regierungen tun? Panik hilft nicht weiter. Stattdessen braucht es Investitionen in lokale Anpassungsmaßnahmen, in bessere Wettervorhersagen, in Lagerhaltung und internationale Handelsabkommen, die Engpässe abfedern können. El Niño wird kommen und gehen. Die Frage ist nicht, ob das Phänomen auftritt – sondern wie gut eine Welt vorbereitet ist, die ohnehin schon unter dem Klimawandel ächzt.