Die deutsche Fleischindustrie verliert an Fahrt. Die Produktion ist im ersten Halbjahr erneut gesunken, und besonders die Geflügelzüchter leiden unter einem massiven Einbruch. Was lange Zeit als Hoffnungsträger der Branche galt, wird nun zur Belastung.
Geflügelfleisch war jahrelang das Wunderkind der Fleischproduktion – günstig, schnell zu produzieren, vermeintlich gesünder als Rind oder Schwein. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Rückgang beim Geflügel fällt deutlich stärker aus als in anderen Bereichen der Fleischherstellung. Landwirte berichten von sinkenden Preisen, gestiegenen Futterkosten und einer veränderten Nachfrage, die sich von den bisherigen Mustern unterscheidet.
Insgesamt sank die Fleischproduktion in Deutschland in dieser Periode spürbar. Schweineproduktion und Rindfleisch zeigen zwar ebenfalls negative Tendenzen, aber nicht in dem Ausmaß wie die Geflügel-Sparte. Das sorgt für Kopfzerbrechen in der Branche. Viele Betriebe fahren ihre Kapazitäten herunter, Arbeitsplätze stehen zur Disposition. In manchen Gegenden, wo die Geflügelzucht lange Zeit ein wirtschaftliches Standbein war, merkt man die Folgen bereits deutlich – weniger Aktivität in den Schlachthöfen, weniger Transporte auf den Straßen.
Die Gründe sind vielfältig und reichen von veränderten Konsumgewohnheiten bis hin zu wirtschaftlichen Zwängen. Verbraucher greifen häufiger zu Fleisch-Alternativen oder reduzieren ihren Fleischkonsum generell. Gleichzeitig drücken höhere Energiekosten und Fütterungsausgaben die Margen der Produzenten. Hinzu kommt: Importkonkurrenz bleibt ein ständiger Druck, und die Regulierung wird strenger.
Für die nächsten Monate rechnen Branchenexperten nicht mit einer schnellen Erholung. Eher wird damit gerechnet, dass sich die Situation weiter verhärtet, wenn sich an den fundamentalen Bedingungen nichts ändert. Ob die Politik gegensteuert oder ob sich die Branche grundlegend neu erfinden muss, bleibt offen. Was sicher ist: Das Geschäftsmodell der Massentierhaltung befindet sich unter Druck wie nie zuvor.